Eine sehr kurze Geschichte des Steelpans von Bettina Büchler
Das Steelpan mag an sich eine Faszination haben, als zum Musikinstrument umfunktionierten Ölfass. Wer sich jedoch mit der Geschichte des Instruments befasst, wird Mühe bekunden, sich seinem Bann zu entziehen.
simplepan.jpgDie Geschichte beginnt mit einem Verbot. Die englische Regierung befürchtete, dass das Trommeln am Karneval die aufrührerischen Kräfte aus der afrikanisch-stämmigen Unterschicht mobilisieren könnte und erliess 1883 kurzerhand ein Trommelverbot. In Bambusrohren wurde rasch Ersatz gefunden, es entstanden die tamboo-bamboo Bands. Bereits anfang letzten Jahrhunderts tauchten in diesen Bands vermehrt metallene Gegenstände auf – die Bambusrohre waren meist nach wenigen Stunden Karneval zerschunden. Während des Zweiten Weltkrieges untersagte England den Karneval, und die Perkussionsbands hatten viel Zeit, neue Instrumente zu entwickeln. Eine beliebte Le-gende berichtet, dass das Pan aus dem verzweifelten Versuch entstanden sei, eine durch Kraftprotz Wilson “Thick Lip” Bartholomew verbeulte Metalldose wieder zurecht zu hämmern. Wie auch immer: Bald konnten auf modifizierten Fassböden von der amerikanischen Militärbasis im Norden der Insel ganze Melodien gespielt werden.

Die Mitglieder der Steelbands identifizierten sich enorm stark mit ihrer Band. Die Panmen waren fast ausschliesslich junge Männer der afkrikanisch-stämmigen Unterschicht. Die Bands hatten genau abgesteckte Territorien, und die Rivalität zwischen ihnen führte nicht selten zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Die Panyards galten als unrespektable Umgebung und wurden zum Schrecken aller Eltern (vor allem von Töchtern) und zum beliebten Ziel polizeilicher Razzien. Aus der Sicht der Mittel- und Oberschicht stellten die Steelbands die Bedrohung des Friedens schlechthin dar, und zu deren Erstickung im Keime wurde sogar für kurze Zeit die Auspeitschung wieder eingeführt. Im Verlauf eines generellen “clean up” des Karnevals durch die Regierung wurden zur Besänftigung der heftigen Auseinandersetzungen formelle Steelwettbewerbe eingeführt, die es heute noch gibt (Panorama).

pans.jpg Doch die Steelbandbewegung war nichts als die logische Folge der miserablen Lebens- und Arbeitsbedingungen, welchen die ärmeren Leute in den 30er und 40er Jahren ausgesetzt waren. Das Pan bot ihnen einen Weg, den Widerwärtigkeiten des Lebens die Stirn zu bieten mit etwas Authentischem, etwas, das sie selbst entwickelt hatten und mit dem sie sich identifizieren konnten. Wer bei Casablanca spielte, war nicht einfach irgendein Arbeitsloser, sondern eben ein Mitglied von Casablanca.

Heute haben die Steelbands als identitätsstiftendes Moment von Individuen und ganzen Quartieren an Wichtigkeit verloren, vielleicht mit Ausnahme der Karnevalszeit. Das Pan ist nach wie vor vornehmlich das Instrument junger, arbeitsloser, afrikanisch-stämmiger Männer, wobei die Anzahl Mitglieder aus Mittelschicht und aus anderen Ethnien stetig zunimmt. Das Macho-Image der Panszene hält zwar nach wie vor an, wird jedoch von der wachsenden Anzahl Frauen zusehends relativiert, welche zudem meist die bessere formelle musikalische Ausbildung in die Bands tragen als die Männer.