Stellenwert und Bekanntheitsgrad der Steelbands und deren Musik in der Schweiz
PANCH hat ein immer wieder aufflackerndes Diskussionsthema der Steelszene aufgenommen und analysiert. Es war uns ein Anliegend, die Meinung von Musikfachleuten zu unserer Musik zu erfahren. Aus hunderten von Adressen von Musik- und Kulturschaffenden der Schweiz wurde eine Zufallsstichprobe gezogen, in der soziodemografische, berufliche und geografische Faktoren bestimmend waren und diesen Personen ein umfassender Fragebogen zugestellt.
Die Rücklaufquote ergab erstaunliche 23% und zeigte auch befriedigende Repräsentanzwerte. (Zum Vergleich: Bei Befragungen zu Produkten und Dienstleistungen ist man bereits bei 3-5% Rücklauf zufrieden. Nur beim Thema Haustiere ergeben sich signifikant höhere Werte. Nichts gegen Busis und Wau waus, habe selber welche…).
Geantwortet haben: KulturredaktorInnen von Print– und Elektronischen Medien, MusikerInnen und deren Verband, Musikagenturen, Kultur- und MusikeventmanagerInnen, Lokalradios, JournalistInnen, Musikalienhandelsgeschäfte, Musikhochschulen, alle gut verteilt über die ganze Deutschschweiz. (In der Romandie waren uns nur einzelne Adressen bekannt.)

RESULTATE 1)

KENNEN VON STEELBANDS IN DER SCHWEIZ UND DER KARIBIK

Frage: "Ich kenne Steelbands der Schweiz und deren Musik"

Die Antworten: Sehr gut gut nicht so gut gar nicht
6% 12% 57% 25%
 
Gleiche Frage über das Kennen der karibischen Steelbands.

Die Antworten:
Sehr gut gut nicht so gut gar nicht
0% 6% 44% 50%

BEURTEILUNG DER CH STEELBANDS AUS DER SICHT DIESER MUSIKFACHPERSONEN

Frage: "Im allgemeinen finde ich die Musik der Schweizer Steelbands":

Die Antworten: Sehr gut gut nicht so gut weiss nicht
6% 50% 6% 38%

ENTWICKLUNGSPOTENTIAL VON STEELBANDS UND DEM PAN ALS INSTRUMENT

Diese Frage an die Opinion Leaders der Musik- und Kulturszene beinhaltet die eigentliche Kernthematik dieser Erhebung. Folgende Aktions- und Entwicklungsfelder der Steelbands und des Pans waren zu beurteilen:

Ferien und Palmenstimmung/Exotik
Betreffend Stil völlig offen
Musikalische Reichhaltigkeit
Partymusik
Steelpan einzeln, z.Bsp. in Jazz-Combo/Klassik

Frage: "Ich schätze das Potential von Steelbands und des Steelpans folgendermassen ein:"

Die Antworten hoch mässig tief weiss nicht
Ferien- u. Palmenstimmung, Exotik 88% 0% 0% 12%
betreffend Stil völlig offen 12% 50% 0% 38%
Musikalische Reichhaltigkeit 0% 44% 12% 44%
Partymusik 50% 19% 0% 31%
Steelpan einzeln z.B. in Jazz-
Combo /Klassik
12% 19% 6% 65%

ERSTE AUSWERTUNGSGEDANKEN

RÜCKLAUF

Vorab fällt die vergleichsweise sehr hohe Rücklaufquote von 23% auf. Diese ist beachtlich, weil wir ohne Reminderaktion, ohne Geschenkli wie Schöggeli, Kugelschreiber, oder gar Karibikreiseversprechung arbeiteten. Die Antworten erfolgten auf einen ersten und einzigen Brief-Fragebogen. Ein deutlicher Hinweis auf den Goodwill, den wir bei diesen Fachpersonen offenbar haben.

BEURTEILUNG DER SCHWEIZER STEELBANDS

Hier geht es um die Meinung der Angefragten zur Güte unserer Musik. Mit 56% im Bereich "sehr gut" und "gut" können wir imagemässig zufrieden sein, ohne in Selbstzufriedenheit zu lethargieren.
Die Zahl von 38% "weiss nicht" zeigt den allfälligen Informarionsbedarf. Die Diskrepanz zwischen einerseits der guten musikalischen Beurteilung, und andererseits des deutlichen Mankos an Wissen über die CH-Steelbands ist zu analysieren.

SITUIERUNG UND ENTWICKLUNGSPOTENTIAL DER SCHWEIZER STEELBANDS UND DES PANS ALS INSTRUMENT

Diese Zukunft- und Kernfrage unserer Musik ergab interessante Resultate. Einmal ist unsere Plazierung (oder Fixierung?) im "Ferien- Palmen- und Exotiksegment mit 88% sehr hoch und eindeutig! (Die stärkste Ladung in der ganzen Erhebung). Gut ?Bedauerlich? Sicher aber Realität. Zur Frage der "Offenheit bezüglich Stil" ergaben sich zwei Schwerpunkte: 50% der Angefragten gaben "mässig" an, 38% "weiss nicht". Aehnliches Resultat bei der Frage der "musikalischen Reichhaltigkeit": 44% "mässig" und gleich viel bei "weiss nicht. Diese Resultate wären von unseren Musikfachpersonen zu vertiefen. Teachers und Arrangeure an die Arbeit! Die Tendenz bei der "Partymusik" mit 50% "hoch" ist auch klar.
Die vielleicht zukunftsmusikalisch interessanteste Frage nach dem Einsatz des Pans in fremden Fakultäten, wie in einer Jazz-Combo oder in kammermusikalisch-klassischen Formation (ein etwas unscharfer Begriff, aber er wurde offenbar verstanden) zeigte mit der zweithöchsten Ladung der ganzen Erhebung von 63% "weiss nicht" eine Problematik zu der sich unsere eigenen oder andere Musiklehrer und Fachpersonen äussern müssten. Jedenfalls ein überraschender und interessanter Befund.

INDIVIDUELLE SCHLUSSBEMERKUNGEN AUF DEM FRAGEBOGEN

Wie immer, wenn nach den freiwillig anzugebenden persönlichen Daten wie Alter, Geschlecht, berufliche Tätigkeit, Wohn- und Arbeitsort noch Raum gegeben wird für persönliche Schlussbemerkungen, kommen spannende Meinungsäusserungen und Goldkörner zu Tage. Diese sind naturgemäss nicht zu quantifizieren, müssten aber Gegenstand einer späteren qualitativen Analyse sein.
In diesen z.Teil ausführlichen Ueberlegungen schimmerten und glänzten jene Werte unserer Musik durch, welche mit dem "Faszinosum des Klangs" des Pans, mit dem "Homo Ludens" (dem spielenden Menschen) der in unserer Gesellschaft wenig Raum hat, und auch mit dem Gedanken des "Alltags als Uebung" aus dem Zen- Budhismus Zusammenhängen.
Sie wären qualifizierte Forumsdiskussionen wert. Die Themen liegen auf dem Tisch, packen wir sie an!


PANCH Swiss Steelband Association
Fred Hürlimann Martin Grah

1) Herzlichen Dank für die statistische Unterstützung an Dipl.Math.ETH Nicola Kistler, Doktorand an der Univerität Zürich