Gründungsversammlung von PANCH Swiss Steelband Association im Januar 2004

Es war am 17. Januar 2004. Zwischen zwei Regenvorhängen hindurch ist kurz ein grau-erhabener Blick auf die Stadt Zürich zu erhaschen. Regenschirme wehen davon, Mäntel kleben nasskalt an Hosenbeinen. Zwischen zwei Tennisplätzen beim Zoo ein scheinbar verlassenes, bunkerartiges Betongebäude. An der Tür ein schwarzrotweisses Schild: Caribbean Zone. Dort findet die Gründungsversammlung von PANCH – Swiss Steelband Association statt. Freilich wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass dies der offizielle Name unserer Neuerfindung sein wird. Heftige Diskussionen löst diese Namensgebung später aus. Kein Wunder, verortet doch der Name unseren Platz in der Welt wie nichts anderes.

Weder an jenem Abend noch ein Jahr später kommt man um die Frage herum: Was bringt etwa 100 Leute aus der ganzen Deutschschweiz dazu, einen verregneten Samstag in einem Zürcher Bunker zu verbringen und Statuten zu diskutieren? Welche Sehnsüchte hält diese kunterbunte und doch auf ihre Art uniforme Gemeinschaft zusammen? Der Puls von hüllenlosem Karneval, das Blenden des gleissendem Flutlichts im spätabendlichen Panyard, der Duft von frischem Bake n'Shark – verklärte Exotik für die einen unter uns, ein Stück reale Heimat für die anderen? Die Schwingung des Metalls, die Unverwechselbarkeit der Tonqualität? Oder einfach der Zauber eines kollektiven Rhythmus? Was macht dieses Steelpan mit uns? Der geneigten Beobachterin zeigen sich in der Karibischen Zone Zürich einige Anhaltspunkte, die sich letzlich doch nicht zu einer Erklärung zusammenfügen lassen wollen...

Da ist der hohe Lärmpegel. Man schliesst sich kantons- und erstaunlich viel seltener nationenübergreifend in die Arme. Kramt erfolgreich nach gemeinsamen Erlebnissen, darunter transatlantische und überirdische. Es lassen sich aber bei genauerem Hinsehen auch einzeln Abgesonderte orten; ob sie selbst- oder fremdabgesondert sind, ist indes schwer zu beurteilen. Und was man ja jeweils nicht sieht, das sind die, die nicht da sind.

Da sind die Utensilien. Einschlägige T-Shirts. Die Mini-Pans um den Hals. Das Carib-Bier: ein Muss, wie auch das Höherprozentige – der eingeflogene Alkohol ist Inspirationsquelle für manchen Witz im Verlaufe des Abends. Da ist die Verzögerung bei der Verpflegung, die allerdings im Zürcher Januarnebel draussen vor dem Pizzawagen auf deutlich weniger Nachsicht stösst als in schweissnassen Tropennächten zu einer anderen Zeit, an einem anderen Ort.

Da sind die unwillkürlich glänzenden Augen, als eine locker aufspielende Gruppe von "Friends" mit Fässlimusig endlich zum Daseinsgrund der Veranstaltung führt. Dieser Klang – er erwischt einen immer auf dem falschen Fuss. Wer noch kurz vorher dachte: Jaja, das muss hier wohl sein, erliegt im nächsten Moment den Schwingungen, die fast schmerzhaft in und durch den Körper dringen. Fässlimusig: übrigens ein hartnäckiges Zitat des frischgebackenen Zollikofer Presidente – seine Wahl gewiss keine Überraschung!

Da ist der Stolz auf die Behauptung, dass die Steelbanddichte in der Schweiz die grösste ist ausserhalb Trinidad und Tobago. Das ist der Beweis: die kleine Schweiz weiss mit dem Geschenk von jenseits der Ozeane mehr anzufangen als alle anderen Länder auf der Welt überhaupt!
Aber: Trotz diesen undeutlichen Spuren und feinen Hinweisen kehrt die Frage stur immer wieder zurück an diesem Zürcher Wintertag: Was macht dieses Steelpan mit uns – und, notabene – was machen wir mit ihm? Auf dass der neue Verband viele Wege finden möge, das Geheimnis zu wahren!

Bettina Büchler